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abschied von erinnerungen

ich sitze auf meinem lieblingsplatz, draußen auf meiner bank, gebaut von meinem papa aus einem alten bett. hier sitzt man ruhig und friedlich, nur grün, ein bisschen himmel, vogelgezwitscher, grillen zirpen. hier kann ich gut abschalten, pause machen, kraft tanken, mich freuen, was auch immer…

gedanklich bin ich im august 2014. als ich mit meiner nichte claudi zum letzten mal zusammen auf dieser bank saß. es war das zweite wochenende im august und es war wettertechnisch nicht sehr sommerlich. aber die luft war klar und frisch und es war einfach nur schön, gemeinsam dort zu sitzen. das ist nun fast ein jahr her und am montag sind neun monate seit ihrem tod vergangen. viele male habe ich sie vermisst. die gespräche mit ihr, das gemeinsame lachen. dinge nicht mit ihr teilen zu können, zum beispiel als ihr patenjunge zum ersten mal verliebt war. oder einfach das schmerzliche realisieren der tatsache, dass meine nichte ja garnicht nur nichte war, sondern freundin. ja. ich vermisse sie sehr. aber ich fühle mich immer noch getragen durch die kraft, die sie mir bei meinem letzten besuch auf der palliativstation mitgegeben hat. und ihre ruhe und der innere friede mit ihrem schicksal. das trägt mich durch meine trauerphasen und ich bin im reinen damit. aber jedes familienmitglied hat seine eigene art damit umzugehen, verschiedene gefühle, die dominieren, andere gedanken und erwartungen. ich habe für mich immer versucht, dies nicht zu bewerten oder zu beurteilen. denn letzten endes ist für jeden selbst der eigene weg immer der richtige.

als mich, durch meine schwägerin, die unerwartete nachricht erreichte, dass jann, der ehemann von claudi, ein anderes haus gekauft hatte und anfang august schon umziehen wollte, fiel ich zuerst einmal aus allen wolken. ich war emotional so aufgewühlt, dass ich nur mit unverständnis und fassungslosigkeit reagieren konnte. am abend jenen tages war es dann mein mann, der mich wieder runterholte von meinem emotrip. das brachte mich zunächst auch auf (“ich WILL mich aber aufregen”), doch später war ich dann wieder ich selbst. und konnte auch klar sehen, warum jann wohl diese entscheidung getroffen hatte. als ich dann am nächsten tag selbst mit ihm telefonierte, bestätigten sich auch viele meiner einschätzungen. die schwierigkeit ist eben immer, sich nicht durch die aufkommenden gefühle verwirren zu lassen. ich habe in dieser zeit tatsächlich festgestellt, daß man durch das herausnehmen der eigenen gefühle in der lage ist, sich in die einzelnen personen hineinzuversetzen und so auch verständnis für die eine und die andere seite zu haben. die “das kann er doch nicht machen” zu “das muss er machen” diskrepanz. wie auch immer. die wogen haben sich natürlich inzwischen geglättet.

da ja nun sommerferien sind, habe ich jann gefragt, ob ich in der woche vor dem umzug vielleicht vorbeikommen soll, um zu helfen. wir vereinbarten einen termin und ich erfuhr dann auch, dass der umzug von einem unternehmen durchgeführt werden sollte. am mittwoch abend fuhr ich mit jakob zusammen dorthin. im haus war schon ein großer teil weg, 1 lkw- ladung war bereits im neuen haus. für donnerstag war ich als “koordinator” eingeplant, da jann noch arbeiten musste. das klappte alles super.

am nachmittag war ich eine halbe stunde ganz alleine im leeren haus. und da wurde mir dann doch komisch. ich dachte an die vergangenen jahre, erinnerte mich an den einzug, an die freude, die hoffnung, eben alles, was einem in solchen momenten durch den kopf gehen kann… und als ich mich dann ins auto setzte, um zum letzten mal dort wegzufahren, da rollten mir schon die ersten tränen aus den augen. dieses haus steckte (vor dem auszug) voller erinnerungen an claudi. die komplette einrichtung trug ihre handschrift. dieser abschied von den erinnerungen schmerzte mich schrecklich.

wir verabschieden uns eben nicht gern von liebgewonnenem. und doch ist es richtig und wichtig. denn auch, wenn es uns noch so schwer fällt, uns von materiellen erinnerungen zu verabschieden, ist eines ganz klar:

die wichtigsten erinnerungen tragen wir in uns selbst, und die bleiben für immer!

<3

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